003.03.10|Langwedel
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Etelsen - Von Wilhelm Ostmann· „Ich bekomme langsam wieder Sehnsucht nach zu Hause“, sagt Elke Engel mit ein wenig Wehmut in der Stimme. Ihr Zuhause ist Australien. Sie ist in Deutschland zu Besuch und hat ihre „Zentrale“ bei Fritz und Marianne Meyer im Bahmsweg auf dem Berkels in Etelsen aufgeschlagen, mit denen sie verwandtschaftlich und freundschaftlich verbunden ist. „Doch nun zieht mich alles wieder zurück.“

Elke Engel, zu Besuch aus Australien, auf dem Meyerschen Sofa im Brahmsweg auf dem Berkels.
Elke Engel lebt in Geelong, einer kleinen australischen Stadt im Osten, wenige Kilometer vom Pazifik entfernt. Dort wartet inzwischen ihr Mann Horst auf sie, der sie drei Monate lang missen musste.
Ihre Eltern Elfriede und Wilhelm Kessel und sie sind 1954 – „Ich war neun Jahre alt“ – von Etelsen nach Australien ausgewandert. Sechs Wochen seien sie damals mit dem Schiff unterwegs gewesen. „Heute geht das mit dem Flieger innerhalb von 24 Stunden.“
Zunächst seien sie in Australien in einem Lager für Auswanderer gelandet. Danach kamen sie nach Geelong, wo ihr Vater eine Stellung in einem Unternehmen für Landmaschinen fand.
Sie selbst wurde erst einmal eingeschult. „Ich wurde in Australien von der dritten Schulklasse in die zweite zurückgestuft. Ich konnte ja überhaupt kein Englisch.“ Die Sprache habe sie sehr schnell gelernt. „Wie das bei Kindern so ist.“ Danach habe sie für ihre Eltern, die sich mit der Sprache doch sehr schwer getan hätten, immer als Dolmetscherin fungiert.
Sie arbeitete dann in einer Schuhfabrik, lernte ihren Mann Horst kennen, der aus Sachsen nach Australien ausgewandert war, heiratete ihn und wurde Mutter zweier Söhne. „Danach habe ich mich ausschließlich um den Haushalt und die Kinder gekümmert.“
In dieser Zeit keimte eine andere Sehnsucht auf – die nach Deutschland. „20 Jahre nach unserer Auswanderung folgte ich ihr zum ersten Mal und kehrte zurück. Nun bin ich quasi ein Dauergast in Etelsen.“ Alle fünf oder sechs Jahre setzt sie sich ins Flugzeug und fliegt in ihr zweites, altes Zuhause. Sie besucht hier ihre Verwandtschaft und fährt dazu nach Düsseldorf und Mönchengladbach, wo ihre Cousins beziehungsweise Cousinen leben, und unternimmt außerdem eine Tour nach Sachsen, wo die Verwandtschaft ihres Mannes wohnt. Auch die Schweiz stand diesmal auf dem Programm. „Dort habe ich eine Freundin.“
Nun ist sie wieder startbereit für ihre australische Heimat. „Dort habe ich Größe und Weite, hier in Deutschland ist alles so klein und eng.“ Sie freut sich auf ihre Familie und Freunde und auf ihr gewohntes Leben.
Wenn sie nach Hause kommt, wird es in Australien Herbst sein. „Wir hoffen auf einen sehr nassen Herbst mit viel Regen“, sagt Elke Engel, „Bei uns herrscht großer Wassermangel.“ Das kostbare Nass werde rationiert. Das Selbstwaschen der Autos sei verboten. Es müssten die Waschstraßen genutzt werden, in denen das Wasser wieder aufbereitet werde. Auch das Gießen der Pflanzen im Garten sei nur zweimal in der Woche erlaubt, vom Rasen ganz zu schweigen. Diese und andere Auflagen – besonders für Swimmingpools - würden von den Behörden strengstens überwacht.
Den folgenden Winter erlebt sie dann ab Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr. „Der ist mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen.“ So viel Schnee wie in Etelsen „gibt es bei uns überhaupt nicht“. Nach dem Frühling ab September folgt im Dezember der Sommer mit Temperaturen bis über 45 Grad.
Zu Weihnachten kommen dann Kinder und Schwiegerkinder und die Enkel in leichter, luftiger Sommerkleidung bei Elke Engel zu Besuch, ein Sohn muss dazu 3000 Kilometer zurücklegen, die sie dann nach deutscher Art mit selbst gebackenen Keksen à la Mama verwöhnt. Sie muss dann auch immer Rouladen braten, das Lieblingsessen ihrer Söhne, das in Australien so nicht bekannt ist. Ihre Zutaten besorgt sie sich im Aldi, der seit wenigen Jahren auch in Australien Fuß gefasst hat.
Wenn Elke Engel zu Hause in Australien angekommen ist und den Begrüßungsrummel überstanden hat, geht sie erst einmal auf den Golfplatz. „Das ist mein Sport.“ Golf sei auf dem Fünften Kontinent nichts Elitäres. „Bei uns spielen Hinz und Kunz, eben alle Gesellschaftsschichten, Golf.“
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